16. Leipziger Antiquariatsmesse vom 18. – 21. März 2010

Das waren noch Zeiten, als im Mai 1859 das Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel schrieb: “8.000 bis 10.000 neue deutsche Bücher sind zuviel!

Gemeint waren die jährlichen Neuveröffentlichungen der einzelnen Verlage die schon damals einen beachtlichen Umfang erreichten. Derart kritische Stimmen sind heute verstummt oder gehen in der Globalisierung des neuen Jahrtausends unter. Man kann, ja man muss gar eine 0 an die beiden oben genannten Zahlen anhängen, um diese Aussage zu aktualisieren, falls sich jemand findet, der diesen Zustand der immer größer werdenden Bücherberge zu kritisieren wagt.

Bereits heute sind im VLB ([[Verzeichnis lieferbarer Bücher]]) mehr als 1 Mio. deutschsprachige Titel abrufbar und können vom Buchhandel geordert werden. 600 Millionen Bücher werden pro Jahr in Deutschland produziert und von den jährlich erscheinenden Neuauflagen, die in der Größenordnung zwischen 80.000 und 100.000 Büchern liegen dürfte, sind nur ca. 25% bereits erschienene Bücher, die eine weitere Auflage erhalten.

Noch ein paar Zahlen gefällig? Nur ca. 7.000 der jedes Jahr neu erscheinenden Erstauflagen sind Übersetzungen, vorwiegend aus dem englischen, französischen und italienischen Raum. Rund 2.800 Verlage sind umsatzsteuerpflichtig, wobei es derzeit mehr als 10.000 Verlage geben dürfte. Die Zahl der Einzelhändler, die mit dem Verkauf von Büchern und Fachzeitschriften ihren Lebensunterhalt verdienen, bewegt sich um die 4.000 – 5.000.

Letztere Zahlen sind aber ständigen Schwankungen unterworfen und werden sich in den nächsten Jahren auf Grund der Konzentrationsprozesse in der Buchbranche noch verringern. Kleinere Buchläden werden den großen Buchtempeln und den ebenfalls Bücher anbietenden Lebensmittel-Discountern weichen. Verlage schließen sich den großen Monopolisten an oder werden von diesen geschluckt. Der Umsatz der Buchbranche lag bereits im Jahre 2003 bei etwa 9 Milliarden Euro, Tendenz weiter steigend. Diese Zahlen machen deutlich, welch enormes Geschäft im Handel mit Büchern möglich ist.

Wohlgemerkt, ich gönne jedem Autor seine ganz persönlichen Niederschriften und finde, dass jedes Buch eine Chance verdient, sich auf dem Büchermarkt zu behaupten. Am Ende ist es sicher auch der Leser, der gar nicht mehr die Zeit findet, die vielen neuen, nützlichen und notwendigen Bücher alle zu lesen. Heutzutage sorgt aber, im tieferen Sinn gesehen, nicht mehr der Buchhändler für die Kunden, sondern der Verlag, denn die Übersicht über die jährlichen Novitäten haben Erstgenannte schon längst verloren.

Nicht verwunderlich eigentlich, dass vieles schon gesagt bzw. geschrieben wurde und das Neubücher nicht unbedingt das sind, was sie vorzugeben scheinen. Und auch eines der ältesten Bücher; die Bibel ist ja neben einem Bestseller und Ratgeber auch nur ein Plagiat.

Wenn ein neues Buch größtenteils aus bereits veröffentlichten Teilen von anderen Bücher besteht und sich nicht mal die Mühe gemacht wird, die einzelnen Teile des Textes umzuschreiben und/oder auf die Quelle hinzuweisen, ist ein nicht konsequentes Vorgehen gegen derlei “Literatur” schon sehr verwunderlich. Wenn dann aber auch noch ein Buch wie Axolotl Roadkill von Helene Hegemann für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert wird, muss man sich schon fragen, was in dieser Entwicklung der ungebremsten Produktion von immer mehr Neubüchern falsch gelaufen ist.

Aber das ist sicher Stoff für einen separaten Artikel. Was wollte ich eigentlich heute? Ach ja, in diesem ganzen Trubel von Neuerscheinungen und Buchvorstellungen auf der Leipziger Buchmesse, findet auch die 16. Leipziger Antiquariatsmesse statt. Ihren gebührenden Platz nimmt diese bereits seit 1995 ein und  in der Halle 3 profitieren in diesem Jahr 69 Antiquare aus 6 Ländern von der Leipziger Buchmesse, dessen Besucherzahl in 2009 bei stolzen 153.000 lag.

Wer sich einen Überblick über das reichhaltige Angebote von antiquarischen Büchern, Graphiken und Autographen verschaffen will, der kann sich auch auf der Webseite der Leipziger Antiquariatsmesse ausführlich informieren. Eine Eintrittskarte zur Leipziger Buchmesse berechtigt ebenfalls zum Besuch der Antiquariatsmesse.

Fachbesuchern und allgemeinem Publikum wird täglich zwischen 10.00 bis 18.00 Uhr Einlass gewährt, um die zahlreichen Raritäten zu bestaunen und natürlich auch zu erwerben.

Was mich interessieren würde, da ich dieses Jahr nicht auf die Messe komme. Ist es eigentlich immer noch vorgeschrieben, vor dem Besuch der Antiquariatsmesse sämtliche Jacken, Beutel und Taschen abzugeben, um den Besuchern einen leichteren Rundgang zu ermöglichen und dafür zu sorgen, dass sich auch nach Geschäftstätigkeit noch alle Objekte der Begierde an ihrem Platz befinden?

Ich gehe mal davon aus, denn auch die Zahl der in Taschen und Jacken verschwindenden Bücher der Leipziger Buchmesse kann sich mit 30% durchaus sehen lassen und macht derartige Vorsichtsmaßnahmen wohl notwendig. 😉

In der Nacht, wenn das Licht erlischt, die Besucher verschwunden und die vielen Bücher unter sich sind, möchte ich gern mal Mäuschen spielen. Was hat wohl ein Klassiker vergangener Jahrzehnte aus der Literaturmeile der Leipziger Antiquariatsmesse einem Neubuch zu sagen oder lehnt er es gar kategorisch ab, sich mit derartigem Papier zu unterhalten?

Schimpfen die Neubücher im vereinten Chor auf die alten aber keineswegs uninteressanten Bücher vergangener Epochen und machen sie dafür verantwortlich, dass sie ihr zum Teil kurzes Leben in Lagerhallen und verstaubten Regalen statt in der Hand des Lesers verbringen?

Sei es drum, ich wünsche allen Besuchern der beiden Messen ein paar erlebnisreiche, aber auch erholsame Tage und freue mich über jeden, der zum guten Buch, ob nun alt oder neu, findet und dieses zu würdigen weiß.

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Und sollten Sie ihre wertvollen Bücher nicht losgeworden sein, steht Ihnen ja auch noch unser Anzeigenmarkt zur Verfügung. 😉

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Die Buchmesse löst Freude bei den Beteiligten nur selten aus. Man geht gern hin, aber um zu klagen. Die Fülle des Angebotenen legt die Neugier lahm, man fühlt sich verwirrt und überfordert; statt Bewunderungsrufe hört man besorgte Fragen: Wer kauft das alles, wer liest das alles. Was bleibt? (Günter de Bruyn)


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